NORDDEUTSCHLAND
(Northern Germany)
When the people are gone, the landscape remains. You see its true colors. You listen to its resounding silence. And sometimes this tells you more about a country than all the chatter, explanations and speeches before. For five years I was a correspondent for Northern Germany, where the sea is near and the land is wide. And there, I often was embraced by this magnificent nothingness in shades of green and blue and grey, that I later would very much miss.

Hooges Mitte.
Atem, Schritte.
Und erste Spuren,
die im dünnen Schnee
von Warft zu Warft
durch Meer und Wolkenberge führen.

Am Wurmberg starren alte Fichten
in ein kaltes Sonnenlicht,
das sich überm dichten Wald
in märchenhaftem Nebel bricht.

In Pommern dann die nächste Weite.
Felder, Bäume,
Pflastersteine.

Auf Gröde stehn im herben Wind,
drei Männer,
die gefangen sind,
im Schicksal ihrer Dreisamkeit
als spröde Herren der Allmende.
Trotzdem machen sie behände
die Taue von der Fähre fest,
und heben mit vereinter Kraft,
was einer nicht alleine schafft.

Im Harz sieht man die Leichen stehn.
Blass und grau. Doch frisches Grün
kriecht durch Borkenkäferwunden,
zerwuchert Klimawandelschneisen,
als sei’s des Waldes erste Pflicht,
nach dem Sterben zu gesunden.

Und. Auf dem Deich,
der Föhr vorm rauen Nordmeer schützt,
herrscht käuend über grünes Reich
eine Armee bedingungslosen Friedens,
die dumpf und weise glotzt und nützt.

Während im vergessnen Osten
Koblentz‘ Fußballtore rosten
und Frust und Wut und Falschparolen
Leute zu den Rechten holen.

Das Schweriner Schloss erstrahlt
in eitlem Gold und Sonnenfarben.
Die Hauptstadt wirkt fast wie gemalt,
als gäb‘s kein Hetzen oder Darben.

Jenfeld zeigt sich unverstellt.
Nackte Wände. Grau. Beton.
Tausend Namen einer Welt,
Klingelschild an Klingelschild.
Und ein Liebesgruß auf Stein,
Kreidestriche, stummes Schrei‘n.

Aber dann. Nach kurzem Marsch.
Felder, und das Moor beim Wald.
Doch ein rotes Licht sagt halt.
Weil sie bei Stavern gerne ballern,
selbst wenn die Heide danach brennt.

Die alten Landungsbrücken ächzen.
Verächtlich vielleicht vor dem Neuen,
nach dem die Gäste alle lechzen,
die ganzen Tour- und Journalisten,
die kurz kommen, staunen, gehen
und Hamburg jetzt fast nur im Glanz
der wunderschönen Elphie sehen.

Und schließlich.
Schimmert hinter einer matten Scheibe,
in Bremen-Walle gleich beim Ring,
aus einer etwas tristen Bleibe,
ein Stern aus Liebe und Papier.
Und strahlt so trotzig, klein und stolz
gegen alles, was nicht Strahlen ist.
Dass ich sofort und ohne jeden Zweifel weiß:
Dieses Land, mit diesem Stern,
das vergess ich nicht. Das hab ich gern.